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Welche Medikamente gegen Nervenschmerzen gibt es und wie gut helfen sie?

Nervenschmerzen, auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet, entstehen durch die Schädigungen von Nervenzellen im Körper oder im Gehirn. Ursache dessen können Schnittverletzungen, langjährige Diabetes mellitus oder Gürtelrose sein. Auch Amputationen von Gliedmaßen, einige Krebsarten oder Multiple Sklerose können Neuropathien verursachen. Eine weitere, häufige Ursache sind eingeklemmte Nerven im Nackenbereich oder am Hinterkopf. Neuropathische Schmerzen entstehen oft nach Amputationen von Gliedmaßen und können auch bei bestimmten Krebsarten oder Multipler Sklerose auftreten.

Infolge dieser Beeinträchtigung senden die Nervenzellen Informationen an das Gehirn aus, die als Schmerz interpretiert werden. Betroffene nehmen infolgedessen einschießende, stechende, elektrisierende oder brennende Schmerzen wahr. In diesem Artikel geben wir einen Überblick darüber, wie Nervenschmerzen sowohl standardmäßig als auch mit alternativen Medikamenten behandelt werden können. In diesem Sinne beleuchten wir die Studienlage zur Behandlung mit medizinischem Cannabis und dessen Eignung als langfristige Therapie bei Neuropathien.

Die wichtigsten Punkte

  • Es gibt keine speziell für Neuropathien zugelassenen Schmerzmittel. Zur Behandlung von Nervenschmerzen werden daher Off-Label-Medikamente wie Antikonvulsiva, Antidepressiva und Opioide eingesetzt.
  • Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin beispielsweise unterbinden die Schmerzweiterleitung im Rückenmark und können so die Reizempfänglichkeit der Neuronen im zentralen Nervensystem senken. Bei unsachgemäßer Einnahme können Antikonvulsiva jedoch zu einer Chronifizierung der Schmerzen führen.
  • Amitriptylin und Duloxetin zählen zu den Antidepressiva. Sie erhöhen die Verfügbarkeit bestimmter Neurotransmitter im Gehirn und reduzieren somit die Schmerzwahrnehmung. Diese Mittel wirken nur bei einem geringen Prozentsatz der Patient:innen und können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Benommenheit, Schwindel, Sprachstörungen, Tremor oder Aggression hervorrufen. 
  • Behandlungen mit Lidocain und Capsaicin wirken lokal schmerzstillend für bis zu drei Monate. Durch die Behandlung kann es jedoch zu erhöhtem Blutdruck und Übelkeit kommen; bei der Anwendung von Capsaicin auf der Haut auch zu Rötungen, Juckreiz und Brennen. 
  • Opioide wie Tramadol und Tilidin werden nur bei starken Schmerzen eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken. Generell werden Opioide aufgrund der suchtfördernden Wirkung nur kurzzeitig angewendet. 
  • Eine Add-on-Therapie mit Cannabis verschafft mögliecherweise die ersehnte Linderung bei Nervenschmerzen. Medizinisches Cannabis kann die Schmerzübertragung unterbinden, Entzündungen hemmen und die Neuroplastizität verbessern. Bei richtiger Dosierung sind die Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis deutlich geringer als die konventioneller Medikamente.

Welche Arten von Nervenschmerzen gibt es?

 
  • Trigeminus-Neuralgie – Hierbei handelt es sich um starke, einschießende und teils elektrisierenden Schmerzen im Gesicht. Diese Art der Nervenschmerzen entstehen durch eine Reizung des Trigeminusnervs. 
  • Polyneuropathie – Bei dieser Form der Symptomatik sind mehrere, kleine Nerven geschädigt, vorrangig an den Füßen und Unterschenkeln. Häufig kommt das bei Diabetes mellitus vor. Betroffene spüren dann Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Extremitäten. 
  • Neuralgie des Nervus occipitalis – Diese Art der Neuropathie zeichnet sich durch Schmerzen im Hinterhauptbereich aus. Ursache hierfür ist eine Reizung des großen Hinterhauptnervs (Nervus occipitalis).
  • Ischias – Diese Schmerzen werden durch eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs im unteren Rückenbereich ausgelöst. Sie können in das Gesäß und das Bein ausstrahlen.
  • Postherpetische Neuralgie – Hier handelt es sich um Nervenschmerzen, die beispielsweise nach einer Gürtelrose auftreten können. Hierbei sind nur einzelne Nerven oder Nervenwurzeln des sogenannten peripheren Nervensystems betroffen. Rückenmark und Gehirn werden von dieser Form der Nervenschmerzen nicht beeinträchtigt.
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) – Anhaltende Schmerzen, die nach einer Verletzung oder Operation auftreten und eine übermäßige Reaktion des Nervensystems auf den Schmerz darstellen.

Welche Medikamente gegen Nervenschmerzen?

Nervenschmerzen sind ein besonderer Fall in der Schmerzmedizin, da nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR Medikamente) keine Wirkung auf die Symptomatik zu haben scheinen. Mangels speziell für Neuropathien zugelassener Medikamente werden zur Behandlung neuropathischer Schmerzen meist Off-Label-Therapien angewendet. Dazu gehören Antikonvulsiva und Antidepressiva sowie Opioide. 

Diese Medikamente wirken auf unterschiedliche Weisen gegen die Entstehung und Weiterleitung von Schmerz. Vorwiegend finden Kombi-Therapien mit mehreren Mitteln gleichzeitig Anwendung bei Nervenschmerzen. Mögliche Wechselwirkungen sollten vor Therapiebeginn von einem Arzt oder einer Ärztin ausgeschlossen werden. Die Auflistung möglicher Nebenwirkungen im folgenden Abschnitt ist nicht abschließend und kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. 

1. Gabapentin

  • Wirkprinzip – Gabapentin hat große Ähnlichkeit mit dem Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Es wird vermutet, dass der Gabapentin Wirkstoff so die Ausschüttung von GABA hemmt und die Reizweiterleitung von Nervenzelle zu Nervenzelle drosselt. Damit wird auch die Schmerzweiterleitung im Rückenmark gehemmt. Als Resultat nehmen Patient:innen mit Neuropathien weniger Schmerz wahr. 
  • Anwendbarkeit – Meist sind Antikonvulsiva wie Gabapentin gut verträglich und können über Jahre hinweg eingenommen werden. Bleibende Organschäden sind nicht zu befürchten. Es sollte auf eine regelmäßige Einnahme geachtet werden. Andernfalls könnten die Nervenschmerzen chronisch werden. 
  • Nebenwirkungen – Häufig kann Gabapentin Nebenwirkungen wie Virusinfektionen, somnolente Zustände, Schwindel, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Erschöpfung und Fieber verursachen. In der Regel sind diese Nebenwirkungen vorübergehend und verschwinden nach dem Absetzen von Gabapentin wieder.

2. Pregabalin

  • Wirkprinzip – Auch Pregabalin ist der Gamma-Aminobuttersäure in seiner chemischen Struktur ähnlich. Durch die Bindung an bestimmte Kalziumkanäle kann es die Freisetzung von Neurotransmittern wie Glutamat und Noradrenalin hindern. Somit wird die Reizempfänglichkeit der Neuronen im zentralen Nervensystem gesenkt und die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterdrückt.
  • Anwendbarkeit – Wie schnell wirkt Pregabalin bei Nervenschmerzen? Wird Pregabalin auf leeren Magen eingenommen, entfaltet der Stoff binnen einer Stunde seine Wirkung. Bei der gemeinsamen Einnahme mit den Mahlzeiten dauert es länger. Wichtig ist, das Medikament konsequent einzunehmen, um das Gleichgewicht des Wirkstoffes im Blut zu erhalten. Pregabalin darf nicht abrupt abgesetzt, sondern muss ausgeschlichen werden. 
  • Nebenwirkungen – Sehr häufige Nebenwirkungen von Pregabalin sind Benommenheit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen. Häufig klagen Betroffene außerdem über Verwirrung, Reizbarkeit, Desorientierung, Schlaflosigkeit und Libidoverlust.

3. Amitriptylin

 

  • Wirkprinzip – Amitriptylin gehört zu den trizyklischen Antidepressiva. Als Off-Label Medikament kommt Amitriptylin in der Schmerztherapie vordergründig bei Neuropathien zum Einsatz. Der Wirkstoff gehört zu den psychotropen Substanzen und hemmt die Aufnahme von Noradrenalin und Serotonin durch die Neuronen. Das erhöht die Verfügbarkeit der beiden Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Die schmerzlindernde Wirkung entsteht dadurch, dass Serotonin eingehende Schmerzsignale filtert und die Wahrnehmung von Schmerz reduzieren kann.
  • Anwendbarkeit – Amitriptylin kann in Tablettenform oral eingenommen oder intravenös verabreicht werden. Bei älteren Patient:innen verbleibt der Wirkstoff länger im Körper. Altersunabhängig sollte der Wirkstoff ein- und ausgeschlichen werden. 
  • Nebenwirkungen – Vor allem zu Beginn der Behandlung kann eine Amitriptylin Schmerztherapie mit Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Benommenheit, Schwindel, Sprachstörungen, Tremor, Schwitzen, Gewichtszunahme und Aggression einhergehen. Bei der Einnahme von Amitriptylin sollte auf die gleichzeitige Einnahme von Neuroleptika verzichtet werden. 

4. Duloxetin

  • Wirkprinzip – Duloxetin ist ein Antidepressivum, das in der Off-Label-Therapie auch gegen Nervenschmerzen angewendet wird. Seine Wirkung beruht auf der selektiven Hemmung der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. In geringeren Maße hemmt Duloxetin außerdem die Wiederaufnahme von Dopamin. Das bedeutet, dass Duloxetin Wirkung zeigt, indem es die Verfügbarkeit von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn erhöht und somit die Schmerzwahrnehmung senkt.
  • Anwendbarkeit – Duloxetin kann intravenös verabreicht oder oral eingenommen werden. Bei Patient:innen mit Neuropathie sollte der Arzt oder die Ärztin nach zwei Monaten beurteilen, ob das Mittel wirkt. Ist das nicht der Fall, sollte die Anwendung unterbrochen werden. Eine weitere Verbesserung der Wirksamkeit ist nach Ablauf dieser Zeit unwahrscheinlich.
  • Nebenwirkungen – Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei der Einnahme von Duloxetin gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Mundtrockenheit. Wird der Wirkstoff abrupt abgesetzt, kann es zu Ängstlichkeit, Tremor, Erbrechen und Reizbarkeit oder einer Verstärkung der Nebenwirkungen kommen.  

5. Lidocain

 

  • Wirkprinzip –  Bestimmte Formen von Nervenschmerzen können lokal und oberflächlich am Schmerzort behandelt werden. In Form von Pflastern oder Cremes bewirkt Lidocain ein vorübergehendes Taubheitsgefühl. Dieses entsteht durch die Blockade der spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenzellen der Haut. Dadurch wird die Durchlässigkeit der Neuronemembran für Natriumionen verringert und die Reizweiterleitung der Nervenzelle verlangsamt. 
  • Anwendbarkeit – Lidocain gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, unter anderem als Licdocain Spritzen bzw. Injektionslösung, als Lidocain Tabletten zum Lutschen oder Schlucken, als Mundsprays, Pflaster, Cremes, Gels, Salben oder Suppositorien. Bei Neuropathien wird Lidocain zur Diagnose und lokalen Schmerzbetäubung verwendet. Ein ambulant durchgeführter Lokalanästhetika-Test kann dabei helfen, herauszufinden, ob die neuropathischen Schmerzen wirkungsvoll mit Schmerzmitteln behandelt werden können. 
  • Nebenwirkungen – Bei der Anwendung von Lidocain kommt es sehr häufig zu erhöhten Blutdruck und Übelkeit. Patient:innen berichteten außerdem häufig von Parästhesie, Schwindel, Bradykardie, Hypertonie und Erbrechen.

6.  Capsaicin 

  • Wirkprinzip – Capsaicin gehört zu den durchblutungsfördernden Mitteln. Der Wirkstoff wird aus der Chilischote gewonnen. Seine Wirkung beruht auf der Aktivierung der Hitze- und Schmerzrezeptoren der Haut und der anschließenden Eliminierung geschädigter Nervenfasern. Bei Anwendung auf der Haut sorgt Capsaicin dafür, dass Nervenschmerzen in diesem Bereich für bis zu drei Monate verschwinden.
  • Anwendbarkeit – Besonders wirksam sind Capsaicin Salbe oder Capsaicin Pflaster auf einem kleinen oberflächlichen Schmerzbereich, etwa nach einer Gürtelrose. Capsaicin kann allein oder in Verbindung mit anderen Arzneimitteln gegen Nervenschmerzen angewendet werden. Um mögliche Unannehmlichkeiten bei der Anwendung zu minimieren, kann das Behandlungsgebiet vor der Anwendung mit einem lokalen Betäubungsmittel behandelt werden. Alternativ kann dem Patienten oder der Patientin auch ein schmerzlinderndes Medikament in Form einer Tablette verabreicht werden.
  • Nebenwirkungen – Nach der Anwendung von Capsaicin auf der Haut können Rötungen, Juckreiz und brennende Schmerzen entstehen. Auch Papeln, Bläschen, Schwellungen und Trockenheit an der Applikationsstelle wurden beobachtet. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend.

7. Tramadol  

  • Wirkprinzip – Tramadol gehört zur Wirkstoffgruppe der Opioide. Es wird nur bei starken Schmerzen eingesetzt oder wenn die bereits genannten Medikamente nicht ausreichend wirken. Der Wirkstoff Tramadol ist ein synthetisches Morphin-Derivat, das an die μ-, δ- und κ-Opioidrezeptoren binden kann und somit die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin hemmt. Daraus ergibt sich seine schmerzstillende Wirkung. 
  • Anwendbarkeit – Aufgrund der hohen Suchtgefahr sollte Tramadol bei Nervenschmerzen nie länger als unbedingt nötig angewendet werden. Im Allgemeinen gilt, dass Opioide nach einem strikten Zeitplan eingenommen werden müssen, um Medikamenten-Spitzen zu vermeiden. 
  • Nebenwirkungen – Im Rahmen der Einnahme von Tramadol kommt es am häufigsten zu Übelkeit und Schwindel. Weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Erschöpfung, Mundtrockenheit, Obstipation und Erbrechen.

8. Tilidin

  • Wirkprinzip – Tilidin gehört zu den niederpotenten Opioiden und wird bei mittelstarken Nervenschmerzen eingesetzt. Tilidin muss erst in der Leber verstoffwechselt werden, damit seine Wirkung eintreten kann. Die bei der Verstoffwechselung entstehende Substanz Nortilidin kann dann im zentralen und peripheren Nervensystem an die Opiatrezeptoren andocken und dort die Schmerzwahrnehmung unterdrücken.
  • Anwendbarkeit – Tilidin ist eines der wenigen Opiode, das sich zur Behandlung chronischer Schmerzen eignet. Um Medikamentenmissbrauch zu vermeiden, sollte Tilidin zusammen mit dem Opioidrezeptor-Antagonisten Naloxon angewendet werden. Leider bewirken Opioide nur bei der Hälfte der Patient:innen eine deutliche Schmerzlinderung.
  • Nebenwirkungen – In Kombination mit Naloxon führt Tilidin zu Behandlungsbeginn häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Weitere, häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Durchfall und Abdominalschmerz sowie vermehrtes Schwitzen. Gelegentlich berichten Patient:innen, dass es ihnen schwerfällt, während der Einnahme von Tilidin schlafen zu können (Somnolenz). 

9. Medizinisches Cannabis mit THC und CBD

 

    • Wirkprinzip –  Medizinisches Cannabis, das sowohl THC (Tetrahydrocannabinol) als auch CBD (Cannabidiol) enthält, kann über das Endocannabinoid System im Körper wirken. THC bindet dabei hauptsächlich an die CB1 Cannabinoid Rezeptoren im zentralen Nervensystem, wodurch es die Modulation von Schmerzsignalen beeinflussen kann. CBD hingegen wirkt allen voran an den CB2 Rezeptoren in den peripheren Geweben und Organen. Durch die indirekte Interaktion mit den Rezeptoren kann CBD die Regulierung von Entzündungen, Allodynie (extreme Schmerzempfindlichkeit bei Berührung) und Hyperalgesie (extreme Reaktionen auf Schmerz) beeinflussen [1]. 
    • Anwendbarkeit – Medizinisches Cannabis kann als Fertigarzneimittel (Extrakte) oder in Form natürlicher Cannabisblüten vorliegen. Bei neuropathischen Schmerzen können medizinische Cannabisblüten ein- bis mehrmals täglich inhaliert werden. Die genaue Anwendbarkeit und Dosierung wird von einem qualifizierten Arzt bzw. einer qualifizierten Ärztin festgelegt.
  • Nebenwirkungen – Besonders am Anfang der Behandlung oder bei sensiblen Menschen kann es zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit und vermindertem Appetit kommen. Diese Nebenwirkungen schwächen in der Regel im Verlauf der Therapie ab. 

Nehmen Patient:innen medizinisches Cannabis mit THC ein, kann es aufgrund der psychoaktiven Wirkung zu Nebenwirkungen wie Konzentrationsstörungen, einem veränderten Zeit- und Raumempfinden, Angstzuständen oder Paranoia (bei Prädispositionen) kommen. 

Gereizte Nerven beruhigen – Medizinisches Cannabis als Alternative zur Standardtherapie mit Pharmaka

Medikamente gegen Nervenschmerzen, die im Rahmen einer Standardtherapie eingesetzt werden, entfalten ihre schmerzmodulierende Wirkung mitunter erst nach mehreren Wochen der Einnahme. Hinzu kommt, dass keine der Pharmaka bei allen Patient:innen zu 100 % erfolgreich wirkt. Die bisher vorgestellten Medikamente wirken nur bei 60 % bis 80 % der Patient:innen so weit, dass ein normales Leben trotz Neuropathie möglich ist. 

Außer einer mangelnden Wirkung können mitunter auch die Nebenwirkungen einen Wechsel hin zu einer anderen Therapie nötig machen. Dann sollte die Behandlungsstrategie überdacht werden. Experten raten hier zu einer multimodalen Behandlung, die verschiedene Therapiestrategien einbezieht. 

Möglicherweise ziehen Patient:innen oder der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin Cannabis als Medizin in Betracht. Als Add-on-Therapie kann Cannabis mitunter die ersehnte Linderung verschaffen [3].

Wie wirkt Cannabis bei Nervenschmerzen?

Cannabinoide können das Schmerzempfinden durch ihre Interaktion mit dem Endocannabinoid System beeinflussen. Die Rezeptoren des Endocannabinoidsystems befinden sich sowohl im zentralen als auch im peripheren Nervensystem und regulieren von dort einen Großteil der Körperfunktionen. 

Eine der bekanntesten dieser Funktionen ist die Schmerzwahrnehmung. Die Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren durch Cannabinoide aus Pflanzen wie Cannabis oder durch körpereigene Cannabinoide, kann schmerzlindernde Effekte haben. Dies geschieht durch verschiedene Mechanismen:

  • Hemmung der Schmerzübertragung – Cannabinoide können die Freisetzung von Neurotransmittern, die an der Schmerzweiterleitung beteiligt sind, verringern. Dies kann die Reizweiterleitung von schmerzhaften Signalen reduzieren. Einmal aktiviert, verlangsamen CB1 Rezeptoren die Schmerzwahrnehmung des Körpers. Aktivierte CB2 Rezeptoren tragen dazu bei, die Schmerzwahrnehmung insgesamt zu verringern.
  • Entzündungshemmung – Cannabinoide, insbesondere Cannabidiol (CBD) können entzündliche Prozesse im Körper beeinflussen und dadurch Schmerzen lindern.
  • Modulation der Neuroplastizität – Nach einer Nervenverletzung werden die Neuronen empfindlicher, was letztlich zur Zunahme der Schmerzwahrnehmung führen kann. Cannabinoide können die Neuroplastizität beeinflussen, das heißt, die Fähigkeit des Nervensystems, sich anzupassen und zu verändern. Dies kann dazu beitragen, dass das Nervensystem Schmerzsignale anders verarbeitet und das Schmerzempfinden reduziert wird.

Die Wirkung von Cannabinoiden auf das Schmerzempfinden ist komplex und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Wirkungsmechanismen und die optimale Anwendung von Cannabinoiden bei der Schmerzbehandlung zu klären. Bisherige Studien lassen dennoch darauf schließen, dass eine Cannabis Therapie bei Nervenschmerzen sinnvoll sein kann. 

Welche Ärzte verschreiben Cannabis als Medikament gegen Nervenschmerzen?

 

Die Verwendung von Cannabinoiden zur Schmerzlinderung bei Neuropathien wird in einigen Kreisen noch immer kontrovers diskutiert. Eine sorgfältige medizinische Bewertung und Begleitung durch einen qualifizierten Arzt oder eine qualifizierte Ärztin sind unerlässlich, um potenzielle Risiken und Vorteile einer Therapie mit Cannabis bei Neuropathien abzuwägen. Ein Arzt bzw. eine Ärztin, die in der Verschreibung von Cannabis erfahren sind, können an dieser Stelle eine angemessene Behandlungsstrategie entwickeln.

Als Plattform für die telemedizinsche Behandlung mit Cannabis ist Algea Care der richtige Ansprechpartner, wenn du Interesse an Cannabis als Medikament bei Nervenschmerzen hast. Du kannst noch heute unverbindlich eine Behandlung anfragen. Dazu füllst du einen Fragebogen aus, der dem medizinischen Screening gilt und stellst deine Diagnose zur Verfügung. Wir prüfen deine Unterlagen innerhalb von einem Tag und geben dir – wenn möglich – grünes Licht für eine Behandlung. Bis zu diesem Moment erstehen dir keinerlei Kosten.

Im Anschluss vereinbarst du einen Termin mit einem unserer Kooperationsärzte oder Kooperationärztinnen. Das Erstgespräch findet dann an einem von 17 Standorten in Deutschland statt. Bei diesem persönlichen Treffen führt der Arzt bzw. die Ärztin eine Anamnese durch und stellt einen Therapieplan für dich auf. Soweit nach allgemeinen fachlichen Standards medizinisch vertretbar, können die Folgetermine per Videosprechstunde stattfinden.

FAQ

Bei akuten Nervenschmerzen können lokal wirkende Betäubungsmittel wie Lidocain oder Capsaicin eine schnelle Linderung bieten. Bei sehr starken Schmerzen können Opioide angewendet werden.

Die Wirkung einzelner Off-Label Medikamente bei Nervenschmerzen fällt von Patient:in zu Patient:in unterschiedlich aus. Häufig verwendete Medikamente sind Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin und Duloxetin sowie lokale Betäubungsmittel wie Lidocain oder Capsaicin. Bei manchen Patient:innen wirkt keines dieser Medikamente. In diesem Fall kann eine Therapie mit medizinischem Cannabis in Betracht gezogen werden.

Je nach Ursache können Nervenschmerzen unterschiedlich lange anhalten. Eine Behandlung sollte so früh wie möglich einsetzen und konsequent durchgeführt werden, um eine Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden.


 

Medizinischer Disclaimer

Die von Algea Care angebotene telemedizinische Unterstützung bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis kann nicht ohne Anamnese durch einen der Kooperations-Ärzte in Anspruch genommen werden. Eine Fernbehandlung ist nicht in jedem Fall möglich, sondern nur unter den Voraussetzungen, dass bei Einhaltung anerkannter fachlicher Standards im Sinne des § 630a BGB je nach Krankheitsbild kein persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient erforderlich ist. Medizinisches Cannabis kann zur Linderung der Symptomatik einer Vielzahl von Krankheiten beitragen, darunter ADHS, Migräne, chronische Schmerzen, Depressionen, Schlafstörungen, Endometriose, Multiple Sklerose, Epilepsie und Morbus Crohn. Konform mit dem Heilmittelwerbegesetz gewährleistet Algea Care jedoch keine Heilung.

Quellenangaben

1

Campos, R. M., Aguiar, A. F., Trindade, P. M., Ferreira, B. K., A., R., & Sampaio, L. S. (2021). Cannabinoid Therapeutics in Chronic Neuropathic Pain: From Animal Research to Human Treatment. Frontiers in Physiology, 12. https://doi.org/10.3389/fphys.2021.785176

2

Bennici A, Mannucci C, Calapai F, Cardia L, Ammendolia I, Gangemi S, Calapai G, Griscti Soler D. Safety of Medical Cannabis in Neuropathic Chronic Pain Management. Molecules. 2021 Oct 16;26(20):6257. doi: 10.3390/molecules26206257. PMID: 34684842; PMCID: PMC8540828.

3

Ware MA, Wang T, Shapiro S, Robinson A, Ducruet T, Huynh T, Gamsa A, Bennett GJ, Collet JP. Smoked cannabis for chronic neuropathic pain: a randomized controlled trial. CMAJ. 2010 Oct 5;182(14):E694-701. doi: 10.1503/cmaj.091414. Epub 2010 Aug 30. PMID: 20805210; PMCID: PMC2950205.

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