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Darf man mit medizinischem Cannabis Auto fahren?

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Cannabis und Autofahren, geht das? Im folgenden Beitrag erklären wir dir die aktuelle Rechtslage rund um das Thema und worauf du als Patient achten musst.

Darf man unter THC und CBD Einfluss Auto fahren?

Wer unter dem Einfluss von Cannabis Auto fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Das gilt unabhängig von der Menge des konsumierten Cannabis, denn der Grenzwert liegt hier schon bei 1 Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) pro Milliliter Blutserum. Der Nachweis ist im Urin noch Wochen nach dem Konsum möglich, deshalb ist auch ein bereits vor Wochen erfolgter Konsum für das Autofahren noch relevant.

Wer mit Cannabis am Steuer erwischt wird, erhält eine Geldstrafe und muss mit dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen, die nach einer gewissen Zeit nur durch eine erfolgreiche Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) zurückerlangt werden kann.

THC ist der in Cannabis enthaltene Wirkstoff, der aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung einen Rauschzustand erzeugen kann, der die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen kann und deshalb eine sichere Verkehrsteilnahme verhindern kann. Anders sieht es mit dem ebenfalls in Cannabis enthaltenen Wirkstoff Cannabidiol (CBD) aus, dem verschiedene (unter anderem entzündungshemmende) Eigenschaften zugesprochen werden, der aber keine berauschende Wirkung hat. Die Einnahme von reinen CBD-Präparaten ist nicht illegal und ist auch vor dem Autofahren erlaubt.

Medizinisches Cannabis enthält in der Regel sowohl CBD als auch THC. Hier ist die Rechtslage nicht so einfach.

Aktuelle Rechtslage für Cannabis Patienten

Das Gesetz erlaubt es Patienten, die von einem Arzt verordnetes, medizinisches Cannabis einnehmen, am Straßenverkehr teilzunehmen, auch als Autofahrer – vorausgesetzt, sie sind in der Lage das Fahrzeug sicher zu führen. Dies sei dann der Fall, wenn die Einnahme zuverlässig nach der jeweiligen Verordnung erfolge, so die Annahme. Ein grundsätzliches Fahrverbot für Patienten, die medizinisches Cannabis einnehmen, besteht nicht.

Das bestätigte auch das Verwaltungsgericht Düsseldorf in einem Urteil aus dem Jahr 2019 (VG Düsseldorf, Urteil v. 24.10.2019, 6 K 4574/18). In diesem Fall hatte ein Cannabis-Patient gegen die Entscheidung der Fahrerlaubnisbehörde geklagt, die dem Mann wegen seiner Behandlung eine erneute Erteilung der Fahrerlaubnis versagte. Das Gericht urteilte im Sinne des Klägers und unterschied zwischen dem legalen (medizinisch motivierten) und dem illegalen Konsum von Cannabis. Wer illegale Drogen konsumiert, ist nach der aktuellen Gesetzeslage nicht zum Führen von Fahrzeugen geeignet. Das trifft dem VG Düsseldorf zufolge nicht auf Cannabis-Patienten zu. Ihre Fahreignung hänge vielmehr davon ab, ob

  1. die Einnahme zuverlässig nach der ärztlichen Verordnung erfolgt
  2. keine dauerhaften Leistungsbeeinträchtigungen zu beobachten sind
  3. die Teilnahme am Straßenverkehr durch die Grunderkrankung (wie chronische Schmerzen oder Übelkeit) bereits ein Risiko für die Verkehrssicherheit darstellt
  4. der Patient einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Arzneimittel zeigt.


Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, so kann die Fahreignung als gegeben betrachtet werden, so die Entscheidung des Gerichts [1].

Anders stellt sich die Situation jedoch dar, wenn sich beim Führen des Fahrzeugs Ausfallerscheinungen zeigen, die auf die Cannabiseinnahme zurückgeführt werden können. Dann machen sich die Patienten strafbar und müssen mit entsprechenden Sanktionen wie einer empfindlichen Geldstrafe und dem Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens 6 Monate rechnen.

Um Probleme bei Verkehrskontrollen zu verhindern, sollten Patienten, die medizinisches Cannabis auf Rezept einnehmen, stets eine entsprechende Bescheinigung ihres Arztes mit sich führen. Alternativ ist auch eine Kopie der aktuellen Verordnung vorzeigbar, über die das Cannabis verschrieben wurde.


Wer darf unter Cannabis-Einfluss Auto fahren?

Um unter dem Einfluss von medizinischem Cannabis Auto fahren zu dürfen, muss der Patient in der Lage sein, das Fahrzeug sicher, das heißt ohne medikamentenbedingte Ausfallerscheinungen, zu führen. Solche Ausfallerscheinungen sind nach der Einnahme von Cannabis möglich, das Risiko hierfür ist vor allem in der ersten Eingewöhnungs- und Einstellungsphase, aber auch bei einer Änderung der Dosierung gegeben. Gefährlich kann es auch werden, wenn die Präparate grundsätzlich zu hoch dosiert sind oder wenn die Person gleichzeitig noch andere stark wirksame Substanzen konsumiert, wie zum Beispiel Alkohol.

Die Dosierung von medizinischem Cannabis ist jedoch nicht immer ganz einfach, das gilt vor allem für lose erhältliche Cannabisblüten, die sich in ihren Inhaltsstoffen teilweise erheblich unterscheiden und je nach enthaltener Wirkstoffmenge bis auf 0,1 Gramm genau richtig dosiert werden müssen. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Verordnung, einschließlich präziser Angaben zum verordneten Material, der Darreichungsform und den jeweils verschriebenen Einzeldosen und der maximal zulässigen Tagesdosis.

Darüber hinaus müssen Ärzte ihre Patienten darüber aufklären, dass es – vor allem zu Beginn der Behandlung – zu unerwünschten Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen kommen kann, weshalb sie in der ersten Zeit der Behandlung nicht Auto (oder ein anderes Fahrzeug) fahren sollten. Die Verantwortung liegt aber bei dem Patienten selbst. Jede Person, die aktiv am Straßenverkehr teilnimmt, muss Sorge dafür tragen, dass sie fahrtüchtig ist und bei Anzeichen einer Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit, das Auto lieber stehen lässt.

Auch wenn die Einnahme von Cannabis aus medizinischen Gründen vor dem Gesetz etwas anders gehandhabt wird als der „Freizeit-Konsum“, sollten Sie bedenken: THC-haltige Präparate können die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit und damit auch die Fahrtüchtigkeit stets beeinträchtigen – unabhängig von dem Grund ihrer Einnahme. Zudem ist es nahezu unmöglich, den tatsächlichen Einfluss der im medizinischen Cannabis enthaltenen Wirkstoffe auf die Fahrtüchtigkeit konkret zu bestimmen. Zu groß sind die individuellen Unterschiede zwischen Patienten, die individuellen Zusammenhänge zwischen der THC-Konzentration im Blut und der eingenommenen Cannabis-Menge. Auch die Auswirkungen der Inhaltsstoffe und mögliche Nebenwirkungen bei gleicher Cannabismenge können zwischen Personen stark variieren.

Wenn Sie sich während der Cannabis-Therapie nicht 100%ig fahrtüchtig fühlen, sollten Sie im Zweifelsfall lieber auf das Autofahren verzichten. Sie sollten sich die Frage nach Ihrer Fahrtüchtigkeit nicht nur zu Beginn der Therapie, sondern vor jeder Fahrt stellen und im Sinne Ihrer persönlichen und der allgemeinen Verkehrssicherheit verantwortungsvoll handeln.

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