Therapie mit medizinischem Cannabis in Freiburg - Gründung Cannabis Therapiecenter

22.11.2021

Morgen, am 23. November 2021, öffnet in Freiburg, in der Hornusstraße Nummer 18, ein ärztliches Therapiecenter mit Spezialisierung auf medizinisches Cannabis. Die Praxis ist keine gewöhnliche Arztpraxis: Die behandelnden Ärzt:innen sind auf die Therapie mit Cannabinoiden spezialisiert. Seit März 2017 („Cannabis-als-Medizin-Gesetz“) dürfen Ärzt:innen in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben.

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Am morgigen Tage eröffnet ein ärztliches Therapiecenter für medizinisches Cannabis in Freiburg. Es ist das vierte Cannabis Therapiecenter in Baden-Württemberg. Deutschlandweit gibt es insgesamt bereits 18 solcher Therapiestellen. Die Terminpraxis ist eine Anlaufstelle für Cannabis-Patient:innen aus der Region. Mögliche Indikationen für eine Cannabis-Therapie sind u.a. chronische Schmerzen, Schlaf- und Angststörungen sowie ADHS oder multiple Sklerose.

Stigmatisierung von Patient:innen und Legalisierungsdebatte

Derzeit wird öffentlich über die Legalisierung von Cannabis diskutiert und der Freizeitkonsum von Hanfprodukten, die im Handel frei erhältlich sind, boomt. Dieser allgemeine Liberalisierungstrend darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cannabis in der Medizin noch immer stigmatisiert wird und die Versorgung von Patient:innen mit medizinischem Cannabis mit hohen Hürden verbunden ist.

Der Facharzt Dr. Julian Wichmann erklärt: „Der Konsum freiverkäuflicher Cannabis-Produkte mit zweifelhafter medizinischer Wirkung ist kritisch zu sehen.“ Zugleich warnt der Arzt jedoch davor, das Potenzial von medizinischem Cannabis zu ignorieren, denn zahlreiche Studien würden die Wirksamkeit von Cannabis in der Medizin belegen. Wichmann kritisiert, dass einerseits eine Legalisierungsdebatte geführt werde, während andererseits Patient:innen mit Hürden in der Versorgung zu kämpfen hätten.

Aus diesem Grund hat sich Dr. Wichmann hat mit seinem Unternehmen Algea Care auf Cannabis-Therapien spezialisiert und bereits 18 Cannabis-Therapiestellen in Deutschland eingerichtet. Sein Ziel: Die Versorgungslage für Patient:innen zu verbessern und medizinisches Cannabis in der Schulmedizin zu etablieren. Wichmann erklärt: „Schmerzpatient:innen bekommen auch heute noch oft Opioide verordnet, obwohl medizinisches Cannabis bei langwierigem Krankheitsverlauf meist die nebenwirkungsärmere Alternative ist. Das ist paradox.“

Verordnung per Betäubungsmittelrezept

Einfach vorbeikommen und sich medizinisches Cannabis in Form von Blüten und Extrakten oder CBD-Arzneimittel verschreiben lassen, geht allerdings nicht. Patient:innen müssen zuvor über www.algeacare.com einen Termin buchen und ihren Krankheitsverlauf schildern. Kommen die Ärzt:innen zu dem Schluss, dass eine Cannabis-Therapie grundsätzlich Sinn machen könnte, wird ein Termin in der Praxis vereinbart. Dort nimmt der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin vor Ort eine ausführliche Anamnese vor. Bei Vorliegen der medizinischen Voraussetzungen, erfolgt die Verordnung per Betäubungsmittelrezept, welches in Apotheken eingelöst werden kann. Da die bürokratischen Hürden zur Kostenübernahme für die Behandlung durch die Krankenkassen hoch sind und Anträge oft abgelehnt werden, verordnen Algea Care Ärzt:innen derzeit ausschließlich per privatem Rezept, weshalb Patient:innen die Behandlungskosten leider häufig selbst tragen müssen.

Fakten zur Cannabis-Verordnung

Nur ca. zwei Prozent der Ärzt:innen in Deutschland verschreiben medizinisches Cannabis. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) schätzt, dass circa 50 Prozent der Schmerzpatienten, bei denen eine Behandlung mit Cannabis sinnvoll wäre, diese nicht erhalten. In Erhebungen der gesetzlichen Krankenkassen wurden seit der Zulassung von Cannabinoiden zur Verschreibung bislang etwas über 880.000 Verordnungen erfasst. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2018 gab es 16,5 Millionen Verordnungen von Opioiden. [1,2]

Quellen

[1]

GKV-Arzneimittel-Schnellinformation für Deutschland (GKV GAMSI): Verordnungen von Cannabinoidhaltigen Fertigarzneimitteln

[2]

Kassenärztliche Bundesvereinigung. Deutscher Bundestag Drucksache 19/15967 vom 13.12.2019

Quellen