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Die Geschichte von Cannabis

Die Hanfpflanze (lateinischer Name: Cannabis) blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück: Schon vor weit über 10.000 Jahren wurde Hanf in China und Persien kultiviert und gehört damit zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt.

Weltweite Verbreitung als Nutzpflanze

Im 13. Jahrhundert trat der Hanf seinen Siegeszug nach Europa an und wurde mit der zunehmenden Verbreitung zur weltweit am häufigsten angebaute Nutzpflanze. Und das aus gutem Grund, denn Cannabis war unglaublich vielseitig einsetzbar: Die Hanfsamen dienten als Nahrung und die Blätter als Medizin. Unter anderem sollten sie die Heilung von Wunden unterstützen und gegen Gicht und mentale Probleme helfen.

Aus den Fasern wurden vor allem Stoffe und Papier hergestellt. So wurde beispielsweise die erste Bibel 1455 von Johannes Gutenberg auf Hanf gedruckt. Nur wenige Jahrzehnte später kam der Hanf mit Christoph Kolumbus nach Amerika, dessen Schiffstaue und Segeltücher aus dem robusten Naturstoff gefertigt waren. Auch auf dem „neuen“ Kontinent setzte sich Hanf schnell durch und fand sich in allen möglichen Lebensbereichen wieder: Die 1776 unterzeichnete Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde auf Hanfpapier geschrieben und die erste von Levi Strauss gefertigte Jeans (1870) bestand ebenfalls aus Hanf.

Niedergang der Hanfnutzung

Mit der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert verlor die Hanfnutzung immer mehr an Bedeutung, denn die Ernte und Verarbeitung von Hanf musste weiterhin manuell erfolgen. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen war das sehr mühsam und teuer, weshalb die Industrie nach günstigeren Alternativen suchte und fand: Baumwolle, Jute und Holz ersetzten den Hanf zunehmend. In Europa weckte die Pflanze jedoch die Neugier der medizinischen Forschung und einige Firmen brachten Cannabispräparate auf den Markt, die zu medizinischen Zwecken eingesetzt wurden. Typische Anwendungsbereiche waren Schmerzen (vor allem Migräne und Menstruationsbeschwerden), Asthma, Keuchhusten, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafprobleme, Appetitlosigkeit und Depressionen.

1938 kam eine vollautomatische Schälmaschine für Hanf auf den amerikanischen Markt. Doch einflussreiche Industrielle aus der Textil- und Pharmaindustrie sorgten dafür, dass die USA zunächst eine Hanfsteuer einführte und später den Hanfanbau komplett verbot. Auch die Entwicklung in der Pharmaindustrie hin zu synthetischen Produkten ließ die Nachfrage nach Hanf für medizinische Zwecke stark sinken. Zwar kam es im Zweiten Weltkrieg aufgrund der weltweiten Rohstoffknappheit zu einer kurzen neuerlichen Nutzung von Hanf als Rohstoff für Kleidung, doch diese endete mit dem Ende des Krieges. Die medizinische Verwendung von Cannabis war noch in vielen Ländern gestattet, doch mit dem sogenannten Einheits-Übereinkommen über Betäubungsmittel („Convention on Narcotic Drugs“) im Jahr 1961 wurde der Konsum von Cannabis (auch aus medizinischen Zwecken) in 180 Ländern der Erde komplett verboten. Lediglich die wissenschaftliche Forschung war noch erlaubt und diese sollte dazu führen, dass der Einsatz von Cannabis inzwischen wieder weit verbreitet ist.

Renaissance von Cannabis

Noch in den 1960er-Jahren konnten Forscher die chemische Struktur von zwei Hauptbestandteilen von Cannabis, den Cannabinoiden THC und CBD, entschlüsseln. In den 1990er-Jahren entdeckten Wissenschaftler das körpereigene Endocannabinoid-System und damit auch die Wirkweise der Hauptwirkstoffe von Cannabis, was einen wahren Boom an Forschung in diesem Bereich auslöste. Gleichzeitig gab es in verschiedenen Ländern Bestrebungen, Cannabisprodukte auf den Markt zu bringen, die sich in ihren Inhaltsstoffen jedoch teilweise stark voneinander unterschieden. Im Mittelpunkt hierbei standen vor allem die beiden Inhaltsstoffe THC und CBD.

Die Hanfpflanze hat in den letzten Jahren ebenfalls eine echte Renaissance erlebt und erfreut sich heute wieder größter Beliebtheit: Aus den extrem elastischen und dennoch reißfesten Fasern werden verschiedene Papier- und Textilprodukte sowie Dämm- und Isolierstoffe hergestellt. Die Hanfsamen sind wegen ihres hohen Proteingehalts beliebt und finden sich in Nahrungsmitteln und kosmetischen Produkten wieder. Einen großen Markt gibt es zudem für medizinisches Cannabis, das sowohl in Form von Arzneimitteln als auch in Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich ist. Hier ist zwischen dem psychoaktiven, das heißt berauschenden THC, und dem nicht-psychoaktiven CBD zu unterscheiden.

Das psychoaktive THC darf seit 2017 unter bestimmten Voraussetzungen in Form von Hanfblüten ärztlich verordnet werden. Diese müssen aus einem staatlich kontrollierten Anbau oder Import stammen, um die gewünschte Qualität sicherzustellen. Zudem gibt es offiziell zugelassene Arzneimittel, die THC und CBD enthalten und unter anderem bei Multiple Sklerose eingesetzt werden, um die spastische Symptomatik zu verbessern. Auch das nicht-psychoaktive CBD ist für Mediziner interessant und kommt heute vor allem bei der Behandlung von Epilepsie zum Einsatz. Auch gibt es inzwischen ein in den USA zugelassenes Arzneimittel, in dem CBD enthalten ist. Unabhängig davon werden noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis diskutiert. Hierzu gehören vor allem die Behandlung von chronischen Schmerzen (einschließlich Migräne), Schlafstörungen, Depressionen und ADHS. Nicht für alle diese Anwendungsbereiche gibt es schon wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit, doch viele Forschungsprojekte, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Interessierte Nutzer finden in entsprechenden Onlineforen Gleichgesinnte, die ihre Erfahrungen mit Cannabisprodukten bei der Linderung von Beschwerden teilen.

Schon länger gibt es die Forderung nach einer Legalisierung von Cannabis, die auch bei den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien Thema war. Ob, wann und unter welchen Umständen eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland in Kraft tritt, ist noch ungewiss (Stand: 03/2022). Auf jeden Fall gibt es sowohl Argumente für als auch gegen eine Legalisierung, die in jeder diesbezüglichen Diskussion genannt werden.

Quellenangaben

1

Müller A. & Karkowsky S. (2021). „Es gibt keine Argumente mehr für die Prohibition“. Legalisierung von Cannabis. Andreas Müller im Gespräch mit Stephan Karkowsky: In: Deutschlandfunk Kultur.

2

Müller A. & Karkowsky S. (2021). „Es gibt keine Argumente mehr für die Prohibition“. Legalisierung von Cannabis. Andreas Müller im Gespräch mit Stephan Karkowsky: In: Deutschlandfunk Kultur.

3

Müller-Vahl, K. R., & Grotenhermen, F. (2020). Cannabis und Cannabinoide: in der Medizin. MWV.

4

Delvaux de Fenffe G. Hanf - Pflanzen. In: Planet Wissen.

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